Homeoffice: Eine Chance für die Verkehrswende

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Ein Beitrag von Patrick Weber

Pendeln wird oft als Last wahrgenommen. Die Zeit kann selten sinnvoll genutzt werden, man steht im Stau oder dicht gedrängt in der Bahn. Könnten diese Wege durch das von-zu-Hause-Arbeiten nicht eingespart werden? Mehr Zeit und weniger Emissionen gepaart mit einer besseren Work-Life-Balance: Homeoffice könnte ein wichtiger Baustein werden, um die Verkehrswende voranzubringen.

Im Frühjahr trug besonders der hohe Anteil an Erwerbstätigen, die sich ganz oder überwiegend im Homeoffice befanden, zum deutlich reduzierten Verkehrsaufkommen bei: Jede*r Dritte arbeitete von zu Hause. Vor der Pandemie nutzten nur etwa 5 % die Möglichkeit, überwiegend außerhalb des Betriebs zu arbeiten. Mit den Kontaktbeschränkungen im Frühjahr änderte sich damit also auch die Arbeitssituation schlagartig.

Homeoffice wurde für viele plötzlich zum Standard.

Pendeln war für sie nicht mehr nötig. Das Projekt Mobicor beobachtet solche Entwicklungen der räumlichen und virtuellen Mobilität während der Krise mit repräsentativen Umfragen und vertiefenden Interviews. Die genannten Zahlen und die zitierten Eindrücke stammen aus den Erhebungen der Studie.

Das Homeoffice hat auch gezeigt, dass man zu viel Zeit im Verkehr verliert. Es ist schön, viel mehr Zeit zu haben und nicht so viel Zeit im Verkehr zu verbringen.

 

Die technischen Herausforderungen waren zunächst enorm, konnten aber schnell gemeistert werden. Mittlerweile halten knapp 10 % der Erwerbstätigen Online-Meetings ab und sparen auch so Wege für Besprechungen ein. Ob sich auch Dienstreisen nachhaltig reduzieren, wird man abwarten müssen – wird die Produktivität in Videokonferenzen doch oft kritisch gesehen. Was sich jedoch bereits jetzt abzeichnet, ist eine Stabilisierung der Homeoffice-Nutzung. Für einige war das Arbeiten von zuhause im Frühjahr zwar eine kurzfristige Notlösung für die Kinderbetreuung, die meisten jedoch blieben auch noch im Oktober im Homeoffice. Fast jede*r Fünfte arbeitete so dauerhaft in den eigenen vier Wänden: Ein beachtliches Potential für die Zeit nach der Pandemie.

 

Es fallen auch viele unnötige Wege [weg], also Arbeit, die man auch von zu Hause erledigen kann und dafür muss man jetzt nicht noch extra durch die [Gegend] fahren.

 

Inwiefern sich diese Arbeitsweise einbürgert und in diesem Umfang in Zukunft praktiziert wird, hängt einerseits von den Arbeitgebern ab, aber andererseits auch von den Gewohnheiten der Beschäftigten. Etabliert es sich jetzt im Laufe der Krise und wird als gut befunden, mag es sein, dass auch dauerhaft jede*r Fünfte den Arbeitsplatz zuhause beibehält. Je länger die Krise und die veränderten Verhaltensweisen anhalten, desto wahrscheinlicher wird dies, denn Routinen spielen hierbei eine wichtige Rolle.

 

Mir haben die Wege gefehlt […], weil gerade morgens diese Wege zur Arbeit finde ich wahnsinnig wichtig, um in den Tag zu starten. Also das hat so ein Gefühl von: jetzt bin ich im Büro und jetzt geht’s los.

 

Die tägliche Routine des Pendelns half, eine klare Abtrennung zwischen der beruflichen und privaten Sphäre zu schaffen.

Die Zeit der Krise und des Homeoffice ist damit auch eine Zeit, neue Routinen auszuprobieren und zu erlernen.

Ein allmorgendlicher Spaziergang könnte hier bereits als Ersatz dienen. Überhaupt bewegen sich die Homeoffice-Nutzenden mehr an der frischen Luft.

Wer zu Hause arbeitet, hat deutlich kürzere Wege und einen höheren Fußweganteil. Wurde bisher auf der Pendelstrecke weder beim Supermarkt noch beim Bäcker gehalten, wird nun auch dieser Einkauf öfter im Wohnumfeld zu Fuß erledigt.

 

Mache jetzt sehr sehr viel zu Fuß, was ich sonst mit dem Auto gemacht hätte. Gehe zu Fuß einkaufen, wo ich vorher das Auto genommen hätte, weil es Zeit eingespart hätte, die jetzt durch Homeoffice aber vorhanden ist.

 

Für die Verkehrswende ist das Homeoffice also ein potenziell wichtiger Baustein: es ist einfach umzusetzen und hat einen großen Effekt. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass bei weitem nicht für jede*n die Möglichkeit besteht, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Die Anteile bewegen sich im Herbst zwischen einem Fünftel und einem Viertel der Beschäftigten. Außerdem muss auch die psychische Belastung, der verringerte informelle Austausch mit Kolleg*innen und das Verwischen der Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem bedacht werden. Wie so oft gilt also auch hier das Maß der Mitte zu finden. Und so wird es auch bereits praktiziert:

Im Schnitt verbringen die Beschäftigten 3-4 Tage im Homeoffice, 1-2 Tage wird weiterhin im Betrieb gearbeitet.

Wie sich dieses Verhältnis in Zukunft darstellen wird, muss sich noch zeigen. Dass das flexible Wechseln zwischen Präsenz- und Heimarbeit jedoch funktionieren kann, beweisen die aktuellen Erfahrungen aus der Pandemie bereits. Grund genug Arbeit auch räumlich neu zu denken und die Möglichkeiten der Digitalisierung anzunehmen.

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