Der Wasserstoff ist weiblich

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Ein Beitrag von Julia Epp

Wasserstoff erlebte im Jahr 2020 eine
regelrechte Renaissance.

Die Bundesregierung veröffentlichte die Nationale Wasserstoffstrategie. Auch allgemein ist Wasserstoff Bestandteil vieler politischer Vorhaben geworden: European Green Deal, Klimaschutzprogramm 2030, European Clean Hydrogen Alliance, RED II, EEG-Novelle, IPCEI Wasserstoff – um nur einen Teil zu nennen. Letzte Woche verkündete die Europäische Kommission die Besetzung von sechs Runden Tischen der European Clean Hydrogen Alliance: 18 Männer und 2 Frauen. Eine Missachtung der eigenen europäischen Strategie zur Geschlechtergleichstellung.

Während wir uns mit verschiedenen Wasserstofffarben, Wasserstoffanwendungen und Power-to-X-Technologien auseinandersetzen, diskutieren wir nicht darüber, wer den Diskurs über die Zukunft von Wasserstoff dominiert und welche Stimmen dabei fehlen. Ist die Entscheidung der Europäischen Kommission vielleicht ein Einzelfall gewesen? Und warum ist es wichtig, einen offenen Diskurs mit vielfältigen Perspektiven zu
Wasserstoff zu führen?

Die Studie „Gender Diversity & Inclusion in Events Report” von Bizzabo untersuchte im Zeitraum von 2013 bis 2018 die Geschlechterverteilung von über 60.000 Referent*innen auf Veranstaltungen. Das Ergebnis:

Fast 70 Prozent aller Vortragenden waren männlich.

Ganz aktuell wird am 26. und 27. Januar 2021 die deutsche Wasserstoffgeneralversammlung stattfinden, die bereits ausgebucht ist. Dort werden insgesamt 91 Personen vortragen und moderieren – nur 11 davon sind Frauen. Das zeigt, dass es offensichtlich auf Veranstaltungen und in Gremien eine große Geschlechterdiskrepanz gibt. Warum ist es überhaupt von Bedeutung, sich um Diversität und Geschlechtergleichstellung zu bemühen?

© GIZ | WiGH

Erstens: Wasserstoff soll langfristig auf einem globalen Markt zwischen verschiedenen Ländern gehandelt werden. Die Berücksichtigung und Einbeziehung diverser Perspektiven trägt dazu bei, dass Innovationen und internationale Kooperationen realisiert werden können.

Zweitens: Zuviel Homogenität auf Veranstaltungen und in Gremien führt generell dazu, dass Meinungen repliziert und Menschen mit anderen Meinungen ausgrenzt werden. Konferenzprogramme, die nicht divers und repräsentativ gestaltet werden, wirken altmodisch und geben weiblichen Expertinnen das Gefühl, nicht willkommen zu sein.

Drittens: Es wird vermittelt, dass insbesondere Männer die Vorbilder und Experten einer bestimmten Branche seien, was den weiblichen Nachwuchs durchaus abschrecken kann. Schließlich ergeben sich berufliche Vorteile durch das Auftreten auf Konferenzen oder die Besetzung in Gremien.

Diese Möglichkeiten sollten gerecht aufgeteilt werden.

Im Englischen wird sogar ein eigener Begriff für Panels verwendet, die nur aus Männern bestehen, da das Problem sehr verbreitet ist: „Manels“. Männliche Referenten, die für Konferenzen angefragt werden, aber auch Konferenzveranstalter können übrigens Gebrauch vom sogenannten Panel Pledge machen. Damit verpflichtet man sich, Veranstaltungen in einem Geschlechtergleichgewicht umzusetzen oder Organisator*innen von Veranstaltungen auf Geschlechterungleichheiten hinzuweisen.

Um diesen Problemen im Wasserstoffsektor entgegen zu treten, wurde auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und mit finanzieller Unterstützung des Bundesumweltministeriums das Netzwerk „Women in Green Hydrogen“ gegründet. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung ist eins der acht Gründungsinstitute. Dabei handelt es sich um eine internationale Plattform für Frauen, die im Bereich Grüner Wasserstoff arbeiten und forschen.

Ziele des Netzwerks sind es,

  • die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen (auf Konferenzen, in Vorständen etc.),
  • Frauen im Wasserstoffsektor zu vernetzen (durch eigene Netzwerkveranstaltungen und Side-Events auf Konferenzen)
  • und weibliche Expertinnen zu stärken (bei der Karriereplanung, durch Mentor*innen).

Die zugehörige Expertinnendatenbank wurde im November veröffentlicht. Die Datenbank ist insbesondere als Angebot für Medienschaffende und Verantwortliche in der Veranstaltungsorganisation gedacht, um zum einen Diversität abzubilden und zum anderen potenzielle Expertinnen und Vortragende für ihre Formate zu finden. Die erste internationale Netzwerkveranstaltung fand mit über 130 Teilnehmerinnen im Dezember 2020 – natürlich digital – statt.

Durch das Nutzen von break-out rooms konnten die Frauen in Kleingruppen netzwerken und aktuelle Fragestellungen zum Wasserstoffmarkt diskutieren. Für das Jahr 2021 sind weitere Netzwerkveranstaltungen sowie eine engere Zusammenarbeit mit Organisator*innen von Konferenzen geplant. Außerdem sollen regionale Gruppen des Netzwerks in Südamerika und Afrika gegründet werden.

 

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