Ride-Pooling als Appetizer für den Öffentlichen Nahverkehr

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Ein Kommentar von Julian Horn

 

 

Julian Horn ist Gastforscher am WZB und untersucht
zurzeit für die Forschungsgruppe Digitale Mobilität
und gesellschaftliche Differenzierung, inwiefern das
Ersetzen des klassischen Busverkehrs durch Pooling-Verkehre
ökonomisch und ökologisch sinnvoll sein kann. Er selbst
sieht diese Services als Alternative zum Auto und plädiert
dafür, dass der ÖPNV solche Dienste etabliert.

 

 


Ride-Pooling als Appetizer für den Öffentlichen Nahverkehr

Bei den Antworten auf die zentrale Frage, wie die Verkehrswende in Deutschland vorangetrieben werden soll, scheint zumindest bei progressiveren politischen Lagern und Expert*innen Einigkeit zu bestehen: Zurückdrängen des privaten Pkw, Ausbau des ÖPNV und das vermehrte Teilen von Verkehrsmitteln jeglicher Art.

Eine echte Alternative, die alle angeführten Dimensionen zugleich bedienen kann, ist das elektrische Ride-Pooling. Es bringt Menschen komfortabel und nachhaltig von A nach B. Liegen Ziele auf ähnlicher Route, teilen sich Fahrgäste die Strecke und tragen damit durch eine höhere Auslastung von Sitzplätzen maßgeblich zur Reduktion von Verkehr und zu einer besseren Energiebilanz bei.

Rechtliche Rahmenbedingungen sind da, politischer Wille nur teilweise

Doch die privaten Anbieter wie CleverShuttle, MOIA, door2door oder ViaVan hatten es mit der Etablierung von Pooling-Verkehren nicht gerade leicht. So schnell wie Standorte hochskaliert und Fahrer*innen eingestellt wurden, so schnell mussten diese aufgrund rechtlicher Hürden und fehlender Wirtschaftlichkeit auch wieder geschlossen und Mitarbeiter*innen entlassen werden.

Etablierte Pooling-Verkehre in Deutschland, Quelle: VDV, Ride-Pooling in Deutschland

Etablierte Pooling-Verkehre in Deutschland, Quelle: VDV, Ride-Pooling in Deutschland

Etablierte Pooling-Angebote, die über kleine Pilot-Projekte mit wenigen Fahrzeugen hinausgehen, lassen sich in Deutschland fast an einer Hand abzählen.

Das liegt unter anderem auch daran, dass Anbieter die sogenannte „Rückkehrpflicht“ einhalten mussten und gezwungen waren, nach jeder Fahrt leer (!) an den Betriebsstandort zurückzukehren, solange keine nachfolgende Fahrtanfrage vorliegt. Das forderte nicht nur erhebliche finanzielle und materielle Ressourcen, sondern belastete durch unnötige Leerfahrten zusätzlich die Umwelt und den Verkehrsraum.

Die längst überfällige Erneuerung des Personenbeförderungsgesetzes hat den entsprechenden Paragrafen jetzt aufgeweicht und zumindest die rechtlichen Weichen für die Etablierung von Ride-Pooling gestellt. Allerdings bleiben solche Dienste wie auch der klassische ÖPNV ein „Zuschuss-Geschäft“. Daher sind nun Kommunen und Städte in der Pflicht, mithilfe der privaten Anbieter diese sinnvolle Ergänzung zum ÖPNV-Angebot voranzutreiben und wenn nötig, zu finanzieren.

Der Komfort, der dem ÖPNV noch fehlt

Die Corona-Pandemie hat den ÖPNV in eine Krise gerissen. Für den Großteil der Menschen scheinen Busse und Bahnen keine echte Alternative als Fortbewegungsmittel zu sein. Ergebnisse der letzten Studie zu Pooling-Verkehren hingegen zeigen, dass Bürger*innen diese Dienste gerade wegen ihrer Komfortabilität und ihres günstigen Preises schätzen.

Dem Wunsch, sich zu einem fairen Preis barrierefrei von Tür-zu-Tür befördern zu lassen, kann der ÖPNV in seiner jetzigen Form nicht entsprechen. Dafür bedarf es Pooling-Angebote. Diese könnten nachgefragte Mehrwerte bieten und die Lücke im ÖPNV-Angebot schließen.

Auch eine Frage der Nachhaltigkeit

Letztlich hat die jüngste Flutkatastrophe in Deutschland gezeigt, dass die nachhaltige Verkehrswende als Teil-Antwort auf den Klimawandel vermutlich nicht nur wirksamer, sondern vor allem auch schneller umgesetzt werden muss als bisher.

CO2-Ausstoß nach Verkehrsmittel in g pro Personen-km, Quelle: eigene Berechnungen; Umweltbundesamt (2019)

Derzeit pusten private Pkw rund 150g CO2 pro Personen-Kilometer in die Luft. E-Shuttles, die in Pooling-Verkehren eingesetzt werden, stoßen beim Fahren gar keine Schadstoffe aus, zudem machen sie keinen Lärm. Der Strom für ihren Betrieb verursacht nicht einmal ein Drittel des CO2-Ausstoßes von konventionellen Pkw. Allerdings ist auch klar, dass ein Mehr von E-Fahrzeugen zwingend mit einem raschen Ausbau der Erneuerbaren Energien einhergehen muss.

Letztlich bieten Pooling-Angebote also nicht nur mehr Komfort für (zukünftige) Nutzer*innen des ÖPNV. Sie sind auch probates Mittel, um die Verkehrswende schneller und vor allem nachhaltiger zu gestalten.

Wollen wir in Zukunft also nicht noch mehr Pkw in Fluten schwimmen sehen, sondern uns nachhaltig, komfortabel und nahezu geräuschlos von A nach B bewegen, sollten Entscheider*innen in der Politik endlich eine ernsthafte Etablierung von Pooling-Verkehren angehen.

 

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